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       annette raus

FAKE TIME - 2081 - Fluch der Vergangenheit

Leseprobe

 

Prolog

Ich hätte das niemals tun dürfen.
Doch ich konnte nicht anders damals...
Jetzt ist meine Verzweiflung unendlich.

Unendlich wird auch diese Flucht sein.
Ich fliehe vor der tödlichen Krankheit, der Sturheit der Menschen, dem Elend, dem Hunger, der Armut und vor dem Fluch der Ahnen und der Geister...

Ich renne
Ich renne und lache

Ein Verzweiflungslachen, ein Schrei aus dem
Innern meines erschöpften Körpers.
Meine Brust ist dem Platzen nahe, Schweiß und Tränen
hinterlassen Spuren auf dem verstaubten Boden.
Ich verlasse meine Heimat,
und die Zukunft ist so schwarz wie diese Nacht...


2081

iBrain weckt mich mit dem Song „Survival“ von Eminem, meinem Lieblingssong - manche nennen mich deshalb „Oldie“. Eminem wäre so um die 109, wenn er noch leben würde.
Ich schubse iBrain vom Kopfkissen. Er rächt sich indem er den unerbittlichen Klingelton eines alten Weckers simuliert und mein Schlaf ist endgültig dahin.

„Mann, kannst du das nicht mal lassen? Ich steh ja schon auf!“, fauche ich ihn an.
„Du hast dich im Ton vergriffen! Ich will nur helfen!“, wimmert er.
„Ich weiß doch, ich mein es nicht so“. Ich hebe ihn behutsam auf und lege ihn auf meine Schulter.

Ich liebe diesen kleinen insektenähnlichen Mini-Roboter. Jeder in der Schule beneidet mich um ihn: heutzutage, in 2081, sind sie unbezahlbar und noch nicht offiziell am Markt zu haben. Da lohnen sich mal wieder die Connections meines Vaters. Er ist mit dem Miterfinder des iBrains befreundet. Und da mein Vater auch Wissenschaftler ist und für alles Neue schwärmt, hat er prompt einen geschenkt bekommen. Ich solle ihn mal intensiv testen und genau aufschreiben, was nicht richtig flutscht. Aber dieses Ding ist so klug, gewissenhaft und stets bemüht alles richtig zu machen, dass ich bis jetzt keine Fehler entdecken konnte. Manchmal ist er richtig unheimlich, als ob er mitdenken könne – und mittlerweile ist er ein echter Kumpel.

„Jay! Jay Hustard! Steh endlich auf! Du kommst noch zu spät zur Arbeit!“

Das ist der morgendliche Aufschrei unserer Haushälterin Doris. Eine dünne energische und hektische weiße Frau so um die 60, die alles gleichzeitig zu tun scheint: kochen, putzen und Rasen mähen (na ja eher dem Rasenmäher-Roboter einen Tritt verpassen, damit er schneller fährt; Irgendwie sieht sie nicht ein, dass der auch mal zur Ladestation muss, um neue Energie zu laden). Seit meine Mutter uns verlassen hat, schmeißt sie den Haushalt und hält mich und meinen Vater auf Trab.

An meine Mutter kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich war noch ein kleines Baby, als sie fortging. Sie wollte frei sein, die Welt sehen, fort von Europa, von diesem engen und alten Kontinent. Julius, mein Vater, redet nicht gern darüber, und ich habe aufgehört zu fragen.

„J A Y !!!“

Das ist meine letzte Chance. Ich springe aus dem Bett und hüpfe in die Jeans, die ich am Vorabend auf dem Boden fallen lassen habe. iBrain klammert sich mit seinen dünnen Beinchen an die Fasern meines T-Shirts während ich die Treppe hinunter renne. Duft von frisch gekochtem Kaffee lässt mich endgültig wach werden.

„Na endlich! Beeil dich! Ohne Frühstück gehst du mir nicht aus
dem Haus!“, meckert Doris und wedelt dabei mit der Kaffeekanne.
Kaffee schwappt heraus und verkleckert den Küchenboden. Prompt
zischt der S-mob aus seiner Ecke und wischt alles auf. Als Kind
hatte ich immer eine Menge Spaß alles Mögliche in der Küche zu
verschütten. S-mob folgte mir dann wie ein Hündchen, bis sein
Behälter voll oder der Akku leer war.

„Isch doch mein letschter Arbeitstag heute! Morgen schind schon
Ferien. Da interesschiert esch niemand, ob ich zu schpät
komme“, erkläre ich ihr mit vollem Mund.


Dieses Jahr war voll lästig, anstrengend und überflüssig. In
der achten Klasse auf meiner Schule – eine Schule mit neuen
Lehrmethoden – gibt es keinen Unterricht. Man muss über das
Schuljahr verteilt drei unterschiedliche Jobs machen, um zu
sehen, wie es so in der Arbeitswelt ist. Ich bin genauso weit
wie vor einem Jahr: Null Plan was ich mal machen will.

Ich schnappe nach meinem Mittags-Snack, ein leckeres Algenbrot
mit knusprigen Insektenlarven als Belag, und knalle Doris einen
klebrigen Abschiedskuss auf die Backe. Den Magnetschwebelift
erwische ich in letzter Sekunde. Ich rutsche in einen Sitz,
aktiviere iBrain und schließe die Augen. „Survival“ lässt mich
entspannen. Mein letzter Arbeitstag! Endlich ist es vorbei. Die
Arbeit bei meinem Vater im Institut für „Mentale Zeitreisen“
ist nicht berauschend. Ich werde bestimmt kein Wissenschaftler.
Da verfolgen einem nur Formeln, Papierberge, Bücher, Daten und
von der Arbeit kann man nie entspannen. So wie mein Vater will
ich nicht werden: Nie zu Hause, und wenn zu Hause immer vor dem
Laptop.

In Gedanken sehe ich nach draußen. Der Magnetschwebelift fährt
an 3-D-Werbetafeln vorbei. Sie zeigen Werbung für ein
Re-Enactment im alten Rom.
Das wäre meine Welt, neue Re-Enactments zu erschaffen. Es ist
eine anspruchsvolle Herausforderung vergangene Zeitalter
„nachzubauen“. Auf mehreren Quadratkilometern werden ganze
Städte, Dörfer, Burgen, so genannte Re-Enactment-Sets
originalgetreu bis ins kleinste Detail nachgebaut. Man kann
dort Urlaub machen und so leben, wie die Menschen es in der
jeweiligen Zeit taten. Na ja, seinen Urlaub dort verbringen
muss man wirklich wollen: nichts mit chillen oder so. Es gilt
zu überleben, sich die tägliche Nahrung zu organisieren und
seinen Feinden zu entfliegen. Mitbringen darf man nichts: Kein
Smartphone, kein Geld – man ist auf sich selbst gestellt.
Julius, mein Vater, sagt das seien nur geschmacklose Spielereien. Niemals könne man das harte Leben der Vergangenheit richtig nachempfinden - Ein Leben begleitet von Leid, Schmerzen, Furcht, Diskriminierung und sinnlose Kriege...
Dennoch haben sich diese Re-Enactments zu einem großen
Wirtschaftszweig entwickelt: Schriftsteller, Drehbuchautoren,
Architekten, Bauunternehmen, viele Menschen haben in dieser
Branche einen Job gefunden. Leider hatte ich keine Chance bei
der führenden europäischen Re-Enactment-Firma Time Choice einen
Job zu bekommen. Die nehmen nur die Besten, und meine Noten
sind eher mittelmäßig.

Von Zeitreisen und Insekten

Zeitreisen faszinieren mich schon lange. Die wissenschaftliche
Theorien sind für mich spanische Dörfer. Nur so viel: Jahrelang haben Wissenschaftler weltweit versucht Zeitreisen zu erforschen. Ich meine echte physische Zeitreisen in die Vergangenheit. Rein theoretisch gesehen wären die ja auch möglich... Ich verstehe zwar nicht wie das funktionieren soll, nur dass es was mit einer sogenannten M-Theorie, die aus der Superstring-Theorie hervorgeht, zu tun hat. Diese Begriffe
kenne ich auch nur, weil mein Vater jeden Tag davon sprach, als
er noch in diesem Gebiet geforscht hat. Aber diese Wissenschaft
wurde von der Weltgemeinschaft strengstens geheim gehalten und
verboten. Sie bringt zu viele Risiken mit sich: Man unternimmt
eine Zeitreise in die Vergangenheit, greift in die Geschichte ein, ändert auch nur das kleinste Geschehen. Der weitere Ablauf würde sich völlig verändern. Folglich könnte eine zweite Person wieder ein Stückchen weiter zurück in die Vergangenheit reisen um wiederum das Geschehene zu verändern und so weiter. Das gäbe ein absolutes Chaos und die Zukunft könnte sich gar nicht „bilden“. Oder stimmt es wirklich, dass es unendlich viele Parallelwelten gibt? Keine Ahnung, aber ich glaube eher nicht daran.

Mein Vater interessiert sich seit langem für eine sanftere Variante der Zeitreisen: die mentalen Zeitreisen. Die Menschen sollen nicht körperlich in die Vergangenheit versetzt werden, sondern nur ihr Seh- und Denkvermögen.

Plötzlich zwickt mich jemand in die Seite. Kim lässt sich in
den Nachbarsitz plumpsen und grinst mich an.
„Na, was geht?“, ruft sie zwischen zwei Kaugummi-Kauer.
„Geht so, und bei dir?“. Mist, ich werde immer nervös, wenn ein
Mädchen mich anspricht.
„Letzter Arbeitstag! Eigentlich bin ich deprimiert... War 'ne
geile Zeit!“
„Wo hast du denn gearbeitet, dass es dir soooo Spaß gemacht
hat?“
„In einer Arztpraxis, spezialisiert auf Nanomedizin.“
Ich verdrehe die Augen. „Und was hat da Spaß gemacht?“
Kim lässt ihre Kaugummiblase platzen, leckt sich die Fetzen von
den Lippen und holt tief Luft bevor sie loslegt:
„Die Patienten bekommen Injektionen von bestimmten
Nanopartikeln, die mit speziellen Molekülen ausgestattet sind.
Diese Partikel suchen im Körper an der Oberfläche von Zellen
Proteine, die von bestimmten Krankheiten verursacht werden.
Haben sie solche Proteine gefunden, zerstören sie diese. Aber
das Geile ist, dass diese Partikeln mit winzigen Kameras
ausgestattet sind. Sie kommunizieren mit einem PC und du kannst
am Bildschirm verfolgen, wo sie im Körper herumfahren und wie
sie die Proteine abschießen“.
„Du kennst dich aber gut aus.“ Ich bin wirklich beeindruckt.
„Und bei dir?“
„Öde... Bin bei meinem Vater am Institut. Viel kann ich dort
nicht machen. Bin sozusagen der Laufbursche, wenn mal jemand
einen Kaffee braucht. Mein Vater erklärt mir viel, aber ich checke da nicht wirklich durch.“
„Was ist das für ein geiles Ding-Insekt auf deiner Schulter?“
„Ach, das ist mein iBrain.“
„Wusste nicht, dass es die schon zu kaufen gibt!“
„Nee eigentlich nicht. Bin so als Tester unterwegs.“
„Ist der wirklich so geil wie man sagt?“
„Er kann wirklich eine Menge! Wenn ich was wissen will, frage
ich ihn einfach. Er erkennt meine Stimme über das Teil hier
(ich zeige auf die Augen). Dann logged er sich ins Internet ein
und recherchiert für mich. In Sekundenschnelle hat er das was
ich wissen wollte aufgearbeitet und spricht es mir ins Ohr über
den implantierten EarPod.“
„Das können doch die ganz normalen iPhones auch. Was soll daran
besonders sein?“
„Er liest mir nicht nur Dokumente über ein Thema vor, sondern
er durchforscht das ganze Netz und vergleicht die Informationen
der verschiedenen Websites. Er fügt die Infos zusammen, streicht was überflüssig ist und erstellt eine Zusammenfassung, die meine Frage perfekt beantwortet. Oder er erledigt selbstständig Anrufe für mich und...“
„Cool. Wie ist er den festgemacht?“, unterbricht mich Kim.
„Gar nicht. Mit den kleinen Häkchen an den Beinen spürt er jede
Bewegungen und er klammert sich einfach fest. Aufladen muss man
ihn nie. Die Solarzellen auf den Flügeln sind so stark, dass sie sich auch bei schlechtem Wetter aufladen können. Sonst funktioniert er wie ein iPhone, alles wird über meine Stimme gesteuert.“
„Kleines niedliches Kerlchen“, flüstert Kim iBrain in die Facetten-Augen und pustet ihn an.
iBrain bauscht sich auf, da er einen Sturm vermutet und schreit
mir ins Ohr: „Sturmwarnung! Sturmwarnung!“
„Au!“, schreie ich und greife mir ans Ohr.
„Sorry! Muss jetzt hier raus. Also mach‘s gut!“ Und schon war Kim verschwunden ohne sich weiter um mein wahrscheinlich geplatztes Trommelfeld zu kümmern. Mädchen können grausam sein... besonders Kim. Und anstrengend. Spricht viel zu schnell, bombardiert einen immer mit irgendwelchem Fachwissen - und ist so unglaublich hektisch!
iBrain hat sich beruhigt. Ich sage: „EMINEM“. (Nichts geht über
Eminem.) Dann noch: „Wecken am Institut“, und döse ein.
Eine Sirene reißt mich aus meinem Halbschlaf. Mist! Ich muss
unbedingt den Klingelton für „Wecken am Institut“ ändern. Der
ist wirklich zu heftig! Ich schnappe meinen Rucksack und springe durch die Schiebetür nach außen.

Vaterliebe

Warme Frühlingsluft kitzelt meine Nase. Sie ist drückend und
feucht. Durch die Klimaerwärmung der letzten Jahren, hat sich
die Vegetation hier in Karlsruhe - und in ganz Europa- total
verändert: Überall wachsen Früchte, die es hier vor Jahren noch
nicht gab. Die Stadtverwaltung hat in den Stadtparks Exotische
Obstsorten wie Zitronen-, Orangen-, und Avocado-Bäume
gepflanzt. Aber auch Nachteile bringt diese Veränderung mit
sich: Viele Insekten und Schädlinge haben sich hier angesiedelt. Doris, unsere Haushälterin geht oft mit einem Stechmückendetektor durchs Haus und flucht: „Ich finde euch. Ihr bringt mir die Malaria nicht ins Haus, bei mir nicht!“
Obwohl sie genau weiß, dass wir alle geimpft sind.

Das Institut ist von der Straße aus gesehen ein hässliches
Gebäude. Altmodisch, grau und düster. Erinnert mich an das
Schulgebäude in den uralten Harry-Potter-Filmen. Das Besondere
am Institut ist aber, dass sich überirdisch nur das Verwaltungsgebäude befindet. Der Hauptteil des Gebäudes wurde
unterirdisch gebaut. In den Labors wurden früher Experimente
unter größter Geheimhaltung durchgeführt. Auf fünfzig
Stockwerken wurde über physische Zeitreisen geforscht. Damals
war das Institut eine ausgelagerte Abteilung von CERN in Genf,
der Europäische Organisation für Kernforschung. Aber seit dem
Verbot auf diesem Gebiet zu forschen, hat mein Vater jetzt im
vierten Untergeschoss sein Institut für mentale Zeitreisen.
Ich bin wieder mal spät dran... Renne ins Gebäude, winke kurz
dem Security-Mann, stelle mich unter den Scanner, lasse mich
begrapschen, ins Auge sehen, Fingerabdrücke scannen und fahre
mit dem Aufzug nach unten. iBrain wird wieder mal kritisch
beäugt. Wenn die wüssten, dass das kleine Ding hochauflösende
Fotos machen und alles aufnehmen könnte, was da drinnen
gesprochen wird. Aber ich bin ja ein guter Junge und habe diese
Features deaktivieren lassen.

Julius – mein Vater - begrüßt mich nur kurz und nimmt den
Kaffeebecher, den ich ihm entgegenstrecke murmelnd entgegen.
„Komm, ich hab eine Überraschung für dich!“
Das kann ja heiter werden. Die Überraschungen meines Vaters
haben immer mit seiner Arbeit zu tun und sind meistens keine
Überraschungen mit denen ich was anfangen könnte.
Mein Vater zeigt auf den Wall-Schirm. Ich sehe eine
Luxushotelanlage. „Du hast ja ab morgen Ferien. Ich dachte wir
könnten etwas zusammen unternehmen und habe zwei Flugtickets
nach Freetown in Afrika gebucht! Na was sagst du?“
„Geil! Und du
kommst ohne deine Arbeit aus?“ frage ich
skeptisch.
„Na ja, nicht ganz.“

Denke ich mir doch

„In Freetown ist ein wichtiger Kongress für mentale Zeitreisen.
Da kann ich doch die Arbeit mit dem Vergnügen verbinden. Wir
hängen noch ein paar Tage dran und unternehmen was.“
„Cool“, sage ich nur kurz und widme mich meiner morgendlichen
Tätigkeit: Julius' leere Kaffeebecher aufzusammeln und zu
entsorgen.
„Das klingt aber nicht sehr begeistert.“
„Doch, aber was soll ich dort, während du deine Vorträge hältst? Im Hotelzimmer rumliegen?“
„Wir werden schon etwas für dich finden. Du kannst dich auf die
Spuren deiner Vorfahren begeben.“
„Wie?“
„Der Kongress findet in Freetown statt, das ist die Hauptstadt
von Sierra Leone. Dein Opa, der Vater deiner Mutter kommt
ursprünglich aus diesem Land.“
„Na ja wenn du meinst.“

Da stürmt der Assistent meines Vaters ins Büro. „Julius,
schnell es hat geklappt!“ Und schon sind beide verschwunden.
Wahrscheinlich hat wieder etwas „Langweiliges geklappt“, etwas
was ein normaler Mensch gar nicht verstehen kann.

Wissenschaftler eben.

Was kann ich heute anstellen? Ich schaue mich um und mein Blick
fällt auf den Wall-Schirm. Ich wische die Hotelbilder von Freetown weg bis die Datei von gestern auftaucht. Gestern hat mein Vater versucht mir zur erklären wie das so geht mit den mentalen Zeitreisen. Er hat sich echt Mühe gegeben und eine kurze Zusammenfassung für mich geschrieben – mit der peinlichen Widmung: „Für meinen Sohn Jay – In Liebe“. Ich lese mir seine Notizen nochmal durch – vielleicht checke ich heute mehr als gestern.

„Das Bewusstsein ist eine wichtige versteckte Größe in der
Quantenphysik.“

Was ist Quantenphysik? Hab keine Ahnung.

„Die Physiker sind sich mittlerweile einig: Es gibt lokale
Biogravitationsfelder, die Raum-Zeit-Verzerrungen hervorrufen
können. Somit sind Phänomene wie Hellsehen erklärbar. Da
knüpfen die Wissenschaftler an: Hellsehen ist in vielen Kulturen ein seit hunderte von Jahren praktiziertes Ritual. Es gelingt Menschen, die eine hohe Bewusstseinsstufe haben, auf künstlichem Weg Schwarze und Weiße Löcher in ihrem Biogravitationsfeld zu erzeugen. Die dadurch entstehenden Krümmungen könnten bewirken, dass das Tempo des Zeitflusses verändert wird...“

Ich gebe auf - verloren im Nirwana….

Das Einzige was ichverstanden habe, ist dass es bald möglich sein wird sich mental in eine bestimmte Zeit in der Vergangenheit zu beamen.
Man legt sich in eine hermetisch dichte Kapsel und wird
künstlich beatmet. Durch ein spezielles Mittel (Drogenähnlich
aber harmlos) wird man in den Schlaf geschickt. Was dann das
Gerät an der Kapsel genau macht - kein Plan. Ich weiß nur, dass
die Augen, bzw. das Sehvermögen und das Gehirn, als eine
Einheit in eine gewünschte Zeit geschleudert wird. Man kann
dort nicht kommunizieren, nicht mit der Vergangenheit noch mit
der Jetztzeit. So eine Zeitreise ist auch relativ gefährlich, weil man noch nicht sehr viel darüber weiß. Sicher ist aber, dass die Menschen das Jetzt, während sie in der Vergangenheit sind, nicht miterleben. Es ist sozusagen eine verlorene Zeit, in der Dinge passieren, auf die sie keinen Einfluss haben, weil sie eben schlafen.

„Julius lässt ausrichten, dass es heute bei ihm länger gehen
wird. Wenn du nichts mehr zu tun hast, kannst du gerne nach
Hause gehen“, spricht iBrain in mein Ohr.

Das war’s also. Ich schaue mich um und sehe den Spruch, den
Julius als Graffiti an die Wand gesprüht hat: „Den Geist von
den Fesseln der Materie befreien!“ Typisch Julius!

 

Fortsetzung......

(Bald im Buchhandel erhältlich)